Archiv für Februar 18th, 2007
Thorsten Völkers..
..starb am 04.01.2007. In der Nacht, in der ich von seinem Tod erfuhr, saß ich fassungslos herum, konnte nicht schlafen. viele geadnken gingen mir durch den kopf. wenn jemand, so wie er, den freitod wählt, suchen alle bekannte und freunde nach antworten auf das warum.
ich hab ihn vier tage zuvor noch gesehen, auf unserer silvester-party. wir haben uns lange unterhalten und im nachhinein stoßen seine fragen nach dem umgang mit leichen, den ich als medizinstudentin ein bisschen erklären konnte, sauer auf. er kam nicht mit uns in die glocksee, wolte zu einer bekannten ins mac. im nachhinein war es komisch, dass er mich die ganze zeit umarmte und mich beim abschied nicht loslassen wollte. war es geplant? das wird nie beantwortet werden. er schlief nach silvester vier tage kaum, sprach mit seiner therapeutin, die ihm beruhigungsmittel verschrieb. nach vier tagen ohne schlaf ist man fertig, halluziniert, ist nicht man selbst. ich wollte ihn die ganze zeit nach silvester anrufen, aber habe es nicht gemacht. erst am freitag konnte ich mich aufraffen, einen tag zu spät, einen gottverdammten tag zu spät. hätte ich ihm helfen können? vermutlich nicht. er kämpfte schon immer mit seinen dämonen. er war immer eine unruhige seele.
ich weiß, dass er gläubig war- ich weiß, dass er wusste, dass seine freunde stark genug sind, ohne ihn weiter zu machen. wo auch immer er ist, ich weiß, er hat seinen frieden gefunden. vielleicht zum ersten mal. es ist ein trost, dass er diese wahl selbst getroffen hat, auch wenn sie einen selbst mit schuldgefühlen zurücklässt.
wenn jemand verschwindet, so plötzlich, sucht man nach spuren, die dieser mensch hinterlassen hat. ich hab ihn gegoogelt, ich hab seine nummer 200 mal angerufen, um die mailbox zu hören. ich hab die homepages seiner bands angeguckt. ich will nciht, dass er verschwindet.
er war laut, er war ein alkoholiker. er war ein schläger. gewalttätig, rauh, unbelehrbar. unpassend, anmaßend, unverschämt.
aber er war auch sanft, zärtlich, klug und mitfühlend. er war ehrlich, wäre für seine freunde gestorben. wenn er nüchtern war, konnte man stundenlang mit ihm reden, er half jugendlichen in seinem beruf, er erzählte seinen eltern alles, er hat mich immer beschützt. so besoffen er auch oft war, sobald mir irgendjemand zu nahe kam, stand er hinter mir, war auf einmal klar, und passte auf mich auf. ich hatte neimals angst vor ihm, niemals. denn ich hate niemals grund dazu. wer ihm mit respekt begegnete, so dicht er auch war, der konnte sich seines respektes sicher sein.
niemand konnte so gut schlagzeug spielen, wie er. ich habe noch nie, nie in meinem leben jemanden so wütend spielen sehen und zwanzig sekunden später so gefühlvoll. bevor ich ihn kannte, war mir überaupt nicht klar, dass man gefühlvoll schlagzeug spielen kann.
ich habe nie jemanden gekannt, dessen umarmung sich so gut anfühlt.
ich vermisse ihn.
ich kenne wenige menschen, mit denen ich so stumpf feiern konnte und mit denen ich so tiefgründige gespräche führen konnte.
wo du bist, geht es dir gut. ich werde dich nie vergessen, mein sanfter riese.
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